Blick ins Gehirn

Wie sich Opiate auf unsere Empathiefähigkeit auswirken

16. Dezember 2020 von Petra Schiefer
Claus Lamm und Markus Rütgen untersuchen im Rahmen eines FWF-Projekts am Vienna Cognitive Science Hub die neuronalen Grundlagen der Empathie und inwiefern sich die Empathiefähigkeit durch die laufende Einnahme von Opiaten verändert. "Unsere Forschung ist vor allem für Personen relevant, die unter Opiat-Abhängigkeit leiden", so Lamm.
© Universität Wien

"Wir untersuchen die neuronalen Grundlagen der Empathie, also der Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen. Das tun wir, indem wir uns die Botenstoffe im menschlichen Gehirn anschauen", erklärt Claus Lamm vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien im Video "Claus Lamm und Markus Rütgen: Wie sich Opiate auf unsere Empathiefähigkeit auswirken".

Wie wir Schmerz wahrnehmen

"Daher haben wir uns entschieden, experimentelle Manipulationen durchzuführen, die die eigene Schmerzwahrnehmung reduzieren, um dann wiederum zu testen, ob sich diese Manipulationen auch auf die Wahrnehmung des Schmerzes anderer Menschen auswirken", ergänzt Markus Rütgen vom Forschungsverbund Kognitionswissenschaft (Vienna Cognitive Science Hub) der Universität Wien, der gemeinsam mit Claus Lamm am FWF-Projekt "Die Rolle des Opiatsystems bei Empathie für Schmerz" arbeitet.

Rütgen erklärt weiter: "Um den Schmerz der Versuchspersonen zu reduzieren, haben wir uns für Placebo-Analgesie entschieden. Dabei wird den Testpersonen eine eigentlich wirkungslose Tablette verabreicht, es wird aber glaubhaft vermittelt, dass es sich dabei um ein wirkungsvolles Schmerzmittel handelt. Allein durch diese Erwartung werden im Körper körpereigene Opiate, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet, wodurch es zu einer Schmerzreduktion kommt."

Relevant bei Opiat-Abhängigkeit

Claus Lamm: "Unsere Forschung ist relevant für Personen, die regelmäßig Schmerzmedikamente einnehmen oder unter Opiat-Abhängigkeit leiden. Wir untersuchen, inwiefern sich die Empathiefähigkeit dieser Personengruppen durch die laufende Einnahme dieser Botenstoffe und Substanzen verändert." (ps) 

Das FWF-Projekt "Die Rolle des Opiatsystems bei Empathie für Schmerz" läuft von 1.10.2019 bis 30.09.2022 unter der Leitung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Claus Lamm vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien am Vienna Cognitive Science Hub. Projektmitarbeiter ist Mag. Dr. Markus Rütgen vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien.

Claus Lamm ist seit 2010 Professor für Biologische Psychologie an der Fakultät für Psychologie. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. die interdisziplinäre Erforschung der Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens und -erlebens, insbesondere neuronale und biologische Grundlagen von Empathie und Mitgefühl, prosozialem Verhalten, Altruismus, und Egoismus.

Lamm forscht außerdem zu den neuronalen und biologischen Grundlagen affektiver und kognitiver Informationsverarbeitung und zur Verwendung und Optimierung neurowissenschaftlicher Methoden zur Untersuchung mentaler Prozesse.

Markus Rütgen ist Psychologe und Neurowissenschafter und forscht an der Fakultät für Psychologie. Schon während seines Doktoratsstudiums in Wien beschäftigte er sich mit den neuronalen Grundlagen von Empathie für Schmerz.