Warum Mikroplastik nicht nur ein Umweltproblem ist
Es sind enorme Mengen winziger Partikel, die tagtäglich als Abrieb und Zerfall von Kunststoffprodukten wie Reifen oder Plastikabfällen in die Umwelt gelangen. Die Tendenz ist steigend: Laut OECD nimmt die weltweite Plastikproduktion ohne neue Maßnahmen bis 2040 um 70 Prozent zu. Mikro- und Nanoplastik (MNP) ist inzwischen in allen Ökosystemen des Planeten nachweisbar und findet damit zunehmend seinen Weg in die Nahrungskette.
Hauptsächlich über Luft und Lebensmittel gelangen die Teilchen schließlich auch in den menschlichen Organismus. Mit vergleichsweise geringen Mengen an Plastik, die hin und wieder aufgenommen werden, könnte der Körper gut umgehen, erklärt Verena Pichler, Professorin am Department für Pharmazeutische Chemie der Universität Wien, im Podcast-Gespräch: "Die große Problematik ist, dass wir über Jahrzehnte täglich kleine Dosen zu uns nehmen, und somit reden wir von einer chronischen Giftigkeit."
Wir nehmen über Jahrzehnte täglich kleine Dosen an Mikroplastik zu uns, und somit reden wir von einer chronischen Giftigkeit.Verena Pichler
Verstärkung von Darmentzündungen
Welche gesundheitlichen Auswirkungen Mikro- und Nanoplastik für den Menschen hat, ist noch wenig erforscht. In einer gemeinsam mit der Medizinischen Universität veröffentlichten Studie konnte ein Forschungsteam um Pichler kürzlich nachweisen, dass Plastikpartikel Immunzellen und das Mikrobiom des Darms beeinflussen und so Entzündungen verstärken können. Nun gelte es, "Lösungen zu entwickeln, um das Mikroplastik zu reduzieren und dann auch diese Entzündungen verhindern zu können", sagt die Expertin, die sich auch in der neu gegründeten Österreichischen Gesellschaft für Mikro- und Nanoplastikforschung (AMINAR) engagiert.
Nicht-invasive Forschung
Pichlers Kernexpertise liegt dabei in der medizinischen Bildgebung. Sie kann etwa mit einem Radionuklid "gelabelte" Plastikpartikel nicht-invasiv durch den Körper verfolgen und auf diese Weise auch andere Substanzen für die Medikamentenentwicklung untersuchen. Ein wichtiges Anliegen ist ihr zum Beispiel auch, Ersatzmethoden für Tierversuche zu finden.
Als Ausgleich zur Forschung dient der gebürtigen Oberösterreicherin der Sport – etwa Drachenboootfahren oder aktuell das Training für den Wien-Marathon. Welches Studium sich für sie als Irrweg herausstellte, bevor sie die Chemie entdeckte, mit welcher berühmten Wissenschaftspionierin sie auf ein Getränk gehen würde, und vieles mehr, verrät sie im Podcast. Jetzt reinhören!
Eventtipp: Mikroplastik verstehen
Beim gemeinsamen Event der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), des Deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Forschungsverbunds Umwelt und Klima (ECH) der Universität Wien steht Mikroplastik im Fokus. Expertinnen und Experten ordnen den aktuellen Stand der Forschung ein, diskutieren offene Fragen und laden zum sachlichen Dialog über Risiken, Wahrnehmung und Verantwortung ein.
27. März 2026, 9:30 Uhr bis 12:30 Uhr, Großer Festsaal der Universität Wien
Studierende, Stakeholder und Interessierte können die Veranstaltung auch per Livestream mitverfolgen, alle Infos dazu hier.
Um Anmeldung bis 13.3. wird gebeten!
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Herstellung und Bewertung von Wirkstoffen unter gesetzlich geregelten Qualitätsanforderungen für den Einsatz am Menschen. Neben ihrer Tätigkeit in Forschung und Lehre ist sie international vernetzt und in wissenschaftlichen sowie regulatorischen Gremien aktiv.




