Warum Sport das beste Medikament ist
Auch wenn es manchmal die Arbeit oder schlicht die Bequemlichkeit gebietet, der menschliche Körper ist nicht für stundenlanges Sitzen und Stillstand geschaffen. Zu wenig Bewegung ist ungesund und begünstigt typische Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. „Sport ist das beste Medikament“, lautet daher das Credo von Jürgen Scharhag, Vorstand und ärztlicher Leiter des Österreichischen Instituts für Sportmedizin (ÖISM) sowie Professor am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien.
Laufen ohne zu Schnaufen
Dabei muss es nicht unbedingt Sport im engeren Sinne sein: Schon einfache, aber regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus - vom Spazierengehen über Schneeschaufeln bis zum Stiegensteigen. Wer 150 Minuten pro Woche ausdauerorientierte Bewegung in mittlerer Intensität schafft, ist laut den österreichischen Bewegungsempfehlungen bereits gut unterwegs. Eine einfache Faustregel, so Scharhag: „Laufen ohne zu Schnaufen.“
Vor übertriebenem Ehrgeiz warnt der Sportmediziner jedoch im Podcast-Gespräch, insbesondere bei Einsteiger*innen oder nach längeren Pausen: „Nicht gleich mit Marathon anfangen. (…) Wir empfehlen Freizeitsportlern, dass sie langsam ihre Belastungsumfänge steigern und auch die Intensitäten.“
Nicht gleich mit Marathon anfangen.Jürgen Scharhag
Nicht jeder Trend ist ein HIIT
Das gilt grundsätzlich für alle sportlichen Aktivitäten, denn Trends kommen und gehen. Ob man sich auf allen Vieren fortbewegt wie ein Tier (Quadrobics) oder mit Freund*innen Pickleball spielt, der Spaß sollte immer im Vordergrund stehen. Nur mäßig trainierten Hobbysportler*innen rät der Kardiologe jedoch von einem aus dem Leistungssport stammenden Trend ab, da es dabei leicht zu Überlastungen komme: „Das HIIT (High Intensity Interval Training; Anm.) Training würde ich sehr mit Vorsicht genießen.“
Forschungsverbund Gesundheit in Gesellschaft
Der Forschungsverbund Gesundheit in Gesellschaft wurde 2024 an der Universität Wien gegründet. Er verbindet Wissenschafter*innen unterschiedlicher Disziplinen, um gemeinsam Gesundheit, Medizin und Wohlbefinden zu erforschen. Die Mitglieder bringen den spezifischen Blickwinkel ihres jeweiligen Fachgebietes ein und berücksichtigen dabei auch lokale, regionale und globale Zusammenhänge.
Durch diese ganzheitliche Betrachtungsweise entstehen nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch wertvolle Partnerschaften mit anderen Forschungseinrichtungen sowie mit Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Der Forschungsverbund schafft Synergien und ermöglicht Wissenschaft, die gesellschaftlich wirksam wird – interdisziplinär, innovativ und kooperativ.
Radfahren oder Schwarzwaldklinik
Im Laufe seiner Karriere hat Scharhag zahlreiche internationale Sportteams ärztlich betreut und begleitet - von der DFB-U21-Nationalmannschaft (dort genannt „Doki“) bis zum Österreichischen Ruderverband. Neben der anspruchsvollen Leistungsdiagnostik liefert das auch Stoff für viele Anekdoten, erzählt der aus dem Schwarzwald (Deutschland) stammende Mediziner, der gerne Tormann geworden wäre und heute lieber auf dem Fahrrad sitzt - es sei denn, die „Schwarzwaldklinik“ läuft im Fernsehen. Mehr davon im Podcast - jetzt reinhören!
Uni Wien Gesundheitstipps
- Mitarbeiter*innen der Uni Wien können ein breites Angebot an betrieblicher Gesundheitsförderung in Anspruch nehmen. Dazu zählt auch Leistungsdiagnostik und sportmedizinische Beratung am Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport.
- Das Projekt Studentische Gesundheit im Fokus unterstützt Studierende dabei, gesund und erfolgreich durchs Studium zu gehen – mit Angeboten rund um ausgewogene Ernährung, Bewegung im Studienalltag und Stressbewältigung. Die dazugehörige Playlist auf Youtube bietet kompakte Tipps vom "Frühstück fürs Gehirn" bis zum Hack gegen das Mittagstief und wird laufend um neue Anregungen ergänzt.




