Wie uns Empathie nützt und wann sie trügt
Obwohl die Bedeutung von Empathie auf den ersten Blick offensichtlich scheint, bleibt die Frage: Geht es dabei darum, sich in andere hineinzuversetzen, Mitgefühl zu zeigen oder vielleicht sogar altruistisch zu handeln? "Empathie ist die Fähigkeit das zu fühlen, was eine andere Person fühlt", fasst Claus Lamm, Professor am Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden an der Uni Wien, das komplexe Phänomen zusammen, für das eine Vielzahl unterschiedlicher wissenschaftlicher Definitionen existiert.
Schmerz eignet sich besonders gut zur Untersuchung von Empathie, da er eine starke emotionale Ansteckung hervorruft. Bereits zu Beginn seiner Karriere konnte Lamm mithilfe bildgebender Verfahren nachweisen, dass bei einer Person, die selbst Schmerz empfindet und einer Person, die das beobachtet, die gleichen Gehirnareale aktiv werden. "Empathie ist auch eine Art der Resonanz", so der Experte im Podcast-Interview.
Empathie ist die Fähigkeit das zu fühlen, was eine andere Person fühlt.Claus Lamm
Die dunkle Seite der Empathie
In all ihren Ausprägungen ist Empathie äußerst vielschichtig. Sie kann bis zu einem gewissen Grad auch für Maschinen und Gegenstände empfunden oder bei Tieren beobachtet werden. Doch sie hat auch eine "dunkle Seite": Ihre selektive Natur führt dazu, dass Menschen oft weniger Mitgefühl für Fremde oder Gegner*innen empfinden, was Ungerechtigkeit oder politische Manipulation begünstigen kann. Darüber hinaus lässt sich Empathie auch gezielt ausnutzen, indem man die Emotionen und Schwächen anderer für eigene Zwecke instrumentalisiert.
Gehirn und Umwelt
Neben der Empathie widmet sich Lamm, der auch dem Forschungsverbund Umwelt und Klima (ECH) angehört, zunehmend den Umweltneurowissenschaften. Dazu zählen eine Reihe spannender und höchst aktueller Fragestellungen, etwa wie sich Extremwetter-Ereignisse auf die Kognition des Menschen auswirken oder wie man Menschen zu einem umweltfreundlicheren Verhalten bewegen könnte.
Dem oft fordernden Uni-Alltag klettert Lamm am liebsten am Berg oder notfalls in Kletterhallen davon. Außerdem lässt er die Podcast-Zuhörer*innen wissen, warum aus ihm weder ein Gemüsehändler noch ein Pilot geworden ist, und warum er mit Nicht-Vorarlberger*innen nicht vorarlbergisch spricht. Jetzt reinhören!
Lamm forscht außerdem zu den neuronalen und biologischen Grundlagen affektiver und kognitiver Informationsverarbeitung, zur Verwendung und Optimierung neurowissenschaftlicher Methoden zur Untersuchung mentaler Prozesse, und im Bereich der Umwelt-Neurowissenschaften. Lamm ist Mitglied im interdisziplinären Forschungsverbund Umwelt und Klima (ECH) der Universität Wien.




