Wie Fledermäuse und Vögel die Schokolade retten
Das Artensterben beschleunigt sich: Laut Weltbiodiversitätsrat sind rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht, viele davon bereits in den kommenden Jahrzehnten. Vor allem durch fortschreitende Landnutzung – etwa Abholzung, Monokulturen oder Pestizideinsatz – wird die biologische Vielfalt massiv beeinträchtigt. Fast 90 Prozent der weltweiten Entwaldung gehen auf die Landwirtschaft zurück.
Aufschlussreiche Ausschlussexperimente
Der Verlust an Biodiversität gefährdet die Lebensgrundlagen der Menschheit, da wichtige Ökosystemleistungen wie Bestäubung, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und Klimastabilität zunehmend zusammenbrechen. „Verliert man sogenannte Schlüsselarten, kommt es zu einer großen Umstellung des Ökosystems und seine Widerstandsfähigkeit nimmt ab“, sagt Bea Maas vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Uni Wien im Podcast-Gespräch.
Die Naturschutzbiologin untersucht das Wechselspiel von Artenvielfalt und Landnutzung anhand des Kakao- und Olivenanbaus mit sogenannten Ausschlussexperimenten. Dabei werden einzelne Bäume für längere Zeit in Netzkäfige gehüllt, die größere Tiere wie Vögel und Fledermäuse ausschließen, Insekten und Spinnen aber durchlassen. Das Ergebnis: Beim Kakaoanbau sank der Ertrag um rund 30 Prozent, wenn diese geflügelten Helfer fehlten.
Von Indonesien bis Costa Rica: Forschung unter freiem Himmel
Sommer ist Forschungsreisezeit - auch heuer geht die Rudolphina wieder mit unseren Wissenschafter*innen auf Tour. Wir haben Bea Maas ein paar Fragen zu ihrem Alltag auf Feldforschung gestellt:
Rudolphina: Wohin hat Sie Ihre Feldforschung schon geführt?
Bea Maas: In über ein Dutzend Länder auf vier Kontinenten – darunter Südostasien, Afrika, Südamerika und Europa. Ich habe sieben Jahre lang in Indonesien gelebt, wo ich meine Diplom- und Doktorarbeit durchgeführt, eine NGO mitgegründet und Biodiversitätsforschung in Schutzgebieten geleitet habe. Ich bin bis heute dort aktiv. Aktuell leite ich internationale Projekte in Österreich, Italien, Deutschland, Peru und Indonesien – bald auch verstärkt an der Tropenstation La Gamba in Costa Rica.
Rudolphina: Und wie sieht ein typischer Feldforschungstag aus?
Bea Maas: Im Feld müssen wir sehr flexibel sein und oft improvisieren, um unseren Plan trotz Wind und Wetter einzuhalten. Manchmal beginnt der Tag schon um 4 Uhr morgens, beispielsweise um Vögel zu erforschen - oder er endet erst mit Aufnahmen nachtaktiver Arten wie Fledermäusen und Insekten einige Stunden nach Mitternacht. Außerhalb der tierischen Aktivitätszeiten kümmern wir uns meist um unsere Freilandexperimente und botanischen Aufnahmen – oder um Dateneingabe und Interviews, wenn das Wetter im Feld nicht mitspielt.
Verliert man sogenannte Schlüsselarten, kommt es zu einer großen Umstellung des Ökosystems und seine Widerstandsfähigkeit nimmt ab.Bea Maas
Vielfalt auch in der Wissenschaft
Vielfalt ist nicht nur ein Thema im Artenschutz, sondern auch im Wissenschaftsbetrieb. Die Deutsch-Amerikanerin engagiert sich für Diversität und Inklusion und kommuniziert ihre Forschung einer breiten Öffentlichkeit. Im Projekt SOUNDS WILD etwa lernen Kinder spielerisch, wie Artenschutz funktioniert. All das und mehr, vor allem über ihre Erfahrungen in fernen Ländern und warum wir eigentlich mit Tequila auf Fledermäuse anprosten sollten, erzählt sie im Podcast.
Jetzt reinhören:
Immer im Gepäck: Fernglas und Fachliteratur
Rudolphina: Was haben Sie von Ihren Reisen mit nach Hause gebracht?
Bea Maas: Eine enorme Vielfalt an Erfahrungen, Erkenntnissen und bleibenden Eindrücken. Ich durfte seltene Arten beobachten, unterschiedlichste Kulturen und Menschen kennenlernen, neue Kontakte und Freundschaften schließen – und ganz verschiedene Sichtweisen auf Natur und Nachhaltigkeit erleben. Natürlich kam auch Kulinarisches mit: Kakao, Kaffee, Chilis, Zimt und Vanille – und viele Geschichten, die ich bis heute gerne erzähle. Immer mit dabei ist mein Forschungsequipment - vom Fernglas bis zur Fachliteratur.
Rudolphina: Und was vermissen Sie, wenn Sie weg sind?
Bea Maas: Wenn ich unterwegs bin, bin ich meist ganz im Moment, da vermisse ich wenig. Als ich dauerhaft in Indonesien gelebt habe, habe ich Freunde, Familie und Kultur in Europa aber durchaus vermisst und noch viel mehr zu schätzen gelernt – genauso wie unsere Jahreszeiten und den Wandel der Natur. Heute freue ich mich, nach der Rückkehr wieder darauf Ausstellungen zu besuchen – und vermisse gleichzeitig schon bald wieder die Abenteuer von Reisen und Forschung.
- Lesen Sie mehr spannende Berichte von den aktuellen Forschungsreisen unserer Wissenschafter*innen: Rudolphina Roadtrip 2025.
Sie arbeitet international – in Europa, Lateinamerika und Südostasien – und verbindet ökologische, sozial-ökologische und kommunikative Ansätze, um sowohl die Grundlagenforschung als auch die angewandte ökologische Forschung voranzubringen. Darüber hinaus engagiert sie sich aktiv für die Förderung von Chancengleichheit, Vielfalt und Inklusion in wissenschaftlichen Gemeinschaften und darüber hinaus.
Geräusche und Musik
- Die Tiergeräusche im Intro zu dieser Folge wurden aufgenommen und bearbeitet von Rym Nouioua
- Tracks für Kapitelunterteilung und Hintergrundmusik bei Infosequenzen: Nocturnal Serenity (Rym Nouioua in Kollaboration mit Christian Günther); Calcar (Rym Nouioua)








