Praxisorientierte Lehrer*innenbildung

(Lehren) Lernen im Labor

9. Jänner 2026 von Hanna Möller
Laborplatz statt Schulbank: Im Lehr-Lern-Labor an der Fakultät für Chemie können Schüler*innen in einem authentischen Laborsetting experimentieren. Dabei heißt es nicht nur Hands-on, sondern vor allem Minds-on, verrät uns Leiterin Elisabeth Hofer. Wir sprechen mit der Chemiedidaktikerin über die Idee hinter "WiL2La".
Open Lab: Schüler*innen unterschiedlicher Schulformen und Altersstufen können an "Laborvormittagen" chemische Forschung erleben und Laborluft schnuppern. © Ian Ehm

Rudolphina: Was verbirgt sich hinter WiL2La?

Elisabeth Hofer: Das Wiener Lehr-Lern-Labor – Schulklassen unterschiedlicher Schulformen und Altersstufen kommen zu uns ins Labor und werden dabei von Studierenden der Chemie betreut. An den "Laborvormittagen" haben Schüler*innen die Möglichkeit, chemiespezifische Denk- und Arbeitsweisen kennenzulernen und in einem authentischen Laborsetting auszuprobieren.

Lehr-Lern-Labore an der Universität Wien

Lehr-Lern-Labore sollen Schüler*innen die Möglichkeit eröffnen, in einer authentischen Umgebung Fragestellungen selbstständig zu bearbeiten. Dabei werden Forschung, Studium und Schule miteinander verbunden. An der Universität Wien gibt es an mehreren Fakultäten Lehr-Lern-Labore:

Rudolphina: Wie unterscheidet sich das Lehr-Lern-Labor von einem klassischen Chemielabor?

Hofer: Die Schüler*innen arbeiten bei uns in einem „echten“ Laborraum mit Geräten und Chemikalien, die auch unsere Studierenden und Forschenden verwenden. Wir bereiten allerdings eine Auswahl an Experimentier- und Informationsmaterialien vor, die es den Schüler*innen – auch mit weniger Vorwissen und Laborerfahrung – ermöglichen, eigenständig und sicher zu arbeiten, um naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung zu betreiben.

Rudolphina: Wie unterstützt das Labor die Ausbildung von zukünftigen Chemielehrer*innen?

Hofer: Die Studierenden können ihre eigenen professionellen Kompetenzen in einem geschützten Setting (vorbereitete Lernumgebung, Fokus auf wenige Kleingruppen, Unterstützung durch die Dozierenden) durch die Arbeit mit unterschiedlichsten Schüler*innengruppen (weiter-)entwickeln und reflektieren. Dabei geht es nicht nur um inhaltliche und didaktische Aspekte, z.B. inhaltliche Einführung oder Lernbegleitung, sondern auch um Fragen von Organisation und Classroom Management, etwa Sicherheitseinweisungen oder Materialvorbereitung.

Rudolphina: Welche didaktischen Konzepte werden im Labor erprobt und angewendet?

Hofer: Die Lernumgebungen im WiL2La sind so strukturiert und gestaltet, dass sie an Kontexten orientiert sowie diversitätssensibel und inklusiv gestaltet sind. Je nach Themenbereich verfolgen wir dabei einen eher problemorientierten Ansatz (z. B. im Programm "Berufswelten der Chemie") oder fragengeleitetes Forschendes Lernen (z. B. im Programm "Kohlenstoffdioxid – vom Abgas zur Ressource"). Zentral dabei ist, dass die Schüler*innen nicht nur Anleitungen abarbeiten („hands-on“), sondern zur aktiven Auseinandersetzung mit Frage- oder Problemstellungen, Materialien und Methoden sowie inhaltlichen Konzepten zur Datenauswertung angeregt werden ("minds-on").

Schüler*innen werden im WiL2La zur aktiven Auseinandersetzung mit Frage- oder Problemstellungen, Materialien und Methoden angeregt.
Elisabeth Hofer

Rudolphina: Gibt es ein Erlebnis mit Schüler*innen, an das Sie heute noch zurückdenken?

Hofer: Ein besonderes Erlebnis war der Besuch einer Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die erst seit kurzer Zeit in Wien leben und ihre Sprach-Basisqualifikation ablegen. Es war toll zu sehen, welche unterschiedlichen Erfahrungen und Potenziale diese Personen bei der Arbeit im Labor eingebracht haben und wie sie – trotz aller sprachlichen Barrieren – gemeinsam experimentiert und naturwissenschaftlich gearbeitet haben. Auch das Engagement der Studierenden sowie ihre Kreativität in der spracharmen Unterstützung und Begleitung beim Experimentieren waren beeindruckend. Diese Erfahrung hat verdeutlicht, welche Möglichkeiten eine inklusive Gestaltung, materielle Zugänge zum Lernen sowie die einheitliche symbolische Sprache der Chemie für gemeinsames Lernen und Arbeiten schaffen.

Rudolphina: Wie können Interessierte mehr über das Labor erfahren oder mit Ihnen in Kontakt treten?

Nähere Informationen zu unserem Lehr-Lern-Labor, unseren Themenprogrammen und Möglichkeiten der Kooperation gibt es auf unserer Homepage sowie im direkten Kontakt mit uns, z. B. im Rahmen der Langen Nacht der Forschung.

Rudolphina: Vielen Dank für den Einblick!

Elisabeth Hofer leitet das Institut für Didaktik der Chemie an der Universität Wien. Zu ihren Schwerpunkten gehören Inklusiver Chemieunterricht, Forschendes Lernen, Praktisches Arbeiten mit Schüler*innen im Labor sowie Chemieunterricht im Zeichen von Nachhaltigkeit.